ĀJÑĀ Chakra

Der Lotus namens Ājñā ist wie der wunderschön weiße Mond. Auf seinen zwei Blütenblättern sind die Silben Ha und Kṣa, die ebenfalls weiß sind und seine Schönheit verstärken.

Es strahlt mit dem Glanz der Meditation (Dhyāna).

Ṣaṭ-Cakra-Nirūpaṇa

ajna chakra sound

DAS ENDLOSE GEHEIMNIS

Ājñā bedeutet "der Befehl" und ist der Ort, an dem der Wille der Realität sichtbar wird; von dort aus befiehlt die Welt ihr Sein.

Es ist ein Ort der Einheit, an dem der eigene Wille und der Wille der Welt eins werden. Wenn der eigene Wille mit dem der Welt eins wird, wird der Weg zum richtigen Leben und Handeln sichtbar. Die Einsicht, wie man leben und handeln soll, ist der ideale und damit göttliche Weg und in gewissem Sinne das göttliche Gebot.

Dieses Gebot ist jedoch keines, das Gott verlangt oder ausspricht. Es ist schlichtweg das Sein der Dinge. Das "So-Sein" befiehlt die Welt. Es ist durchsetzungsfähiger als jedes Wollen oder Wünschen; was ist, ist immer wie es ist.

Die Wirklichkeit befiehlt durch ihr Sein, sie benötigt keine Worte.

Ājñā ist ein Zustand meditativer Trance, von dem man in die absolute Leere als die Quelle aller Existenz eindringt. Diese Leere ist ekstatisch, sie ist nicht nur reine Leere (śūnyatā), sondern auch die totale Fülle (pūrṇatva). Indem das, was überhaupt nichts ist, vollständig umarmt wird, wird das sichtbar, was alles wirklich ist. Denn alles Sein ist im Nichtsein vollständig enthalten.

Nur wenn man völlig still ist, kann man wirklich hören, was die Welt zu sagen hat; wenn man bereit ist zu sterben, ist man bereit wirklich zu leben.

Je tiefer man in die Leere hineingeht, desto größer wird die Anziehung zur höchsten Fülle. Diese beiden sind verbunden, denn der höchsten Leere des ājñā-Chakras liegt eine fast unerträgliche Intensität der Ekstase zugrunde. Die Freude an allem, was jemals sein wird, alle Wünsche, die jemals empfunden werden, alle Liebe, die mehr Liebe gebären will und wird, schläft in der Matrix dieser höchsten Leere.

Dieser leere und zugleich volle, ekstatische Tanz ist das ājñā-Chakra.

Die Welt ist aus dem Wechselspiel zweier Flüsse geformt – einer, der nach unten fließt, und einer, der nach oben strebt. Der eine ist iḍā, der nährende Mond, der in die Manifestation herabfließt, und der andere ist piṅgalā, die Kraft der Sonne, die hinauf in die Subtilität strebt. Ājñā ist das Tor zu diesen beiden Kräften, der Schöpfung und der Auflösung. Ājñā ist die Explosion von allem Sein aus einem einzelnen, dimensionslosen Punkt (bindu). Diese Explosion, die Entstehung aller Dinge ins Sein, ist die Ekstase von ājñā, eine orgasmische Freude, die bei Meditation über ājñā erlebt wird.

Ājñā wird als vārāṇasī oder benares beschrieben, die Stadt zwischen Indiens zwei heiligen Flüssen. Diese Flüsse repräsentieren die Gewässer der Helligkeit und der Dunkelheit, die von den heiligen Bergen herabfließen. Diese Metapher steht für iḍā und piṅgalā, die zwei Flüsse, die von der einen suṣumnā, dem heiligen Berg und zentralen Kanal des Bewusstseins, herabfließen.

Ājñā liegt zwischen diesen zwei Flüssen und ist somit der Raum frei von den Einflüssen von iḍā (dem inneren Geist) und piṅgalā (äußerer Objektivität). Diese zwei Kräfte repräsentieren die sinnliche Welt, Leben und Tod und alle darin befindlichen Elemente. Ājñā ist damit jener Ort, an dem die Dualität endet, das Ende des Todes und auch der Geburt.

Wenn die gesamte Welt in Meditation aufgelöst wird, wird das Selbst in der Welt absorbiert. Dann tanzt das Selbst freudig davon. Diese meditative Absorption im Ultimativen ist Einheit; es ist dhyāna. Es ist der Tod dessen, was man begehrt, um wirklich als das zu leben, was man ist.

Leer sein von einem selbst, aber gefüllt mit wahrem Sein.

Dort, wo die Nadis bei ājñā zusammenlaufen, liegt rudragranthi, der durch die Kraft von icchāśakti – dem höchsten Willen – transzendiert wird. Rudragranthi ist der Ort der Bindung an das Selbst. Diese Bindung kann nur überwunden werden, wenn ihre Auflösung ein Akt der Freude ist. Wie könnte man jemals loslassen, wenn man nicht wüsste, dass man von der Hand Gottes gehalten wird?

Tief im Innern wissen wir, dass Freude unsere eigentliche Natur ist. Sich auflösen, loslassen in Freude bedeutet daher, in das größere Sein einzutreten. Es ist keine Zerstörung des Selbst, es ist seine Ausdehnung in seine größere Form. Freude ist sein Zuhause.

Daher löst sich in Gegenwart dieses Geschenks, das begrenzte Selbst ohne Widerstand auf. Diese ewige Freude ist wie das kosmische Wasser, aus dem alles entspringt, und symbolisiert die orgasmische Quelle der Welt. Sie wird von Mahā Lakṣmī personifiziert, der einen und ewigen großen Fülle.

mond vishuddha

EIGENSCHAFTEN

Aktiv: Freude, das Unbekannte wissen, das Geheimnis zu erkennen, Hellsehen, Ekstase, Gleichgültigkeit gegenüber allem. Spontane Meditation.

Bedeutung: Der Befehl

Mantra: Oṃ, Oṃ Mahālakṣmī namaḥ

Element Bīja: Energie (Haṃ/Kṣaṃ)

Aspekt von icchāśakti: Ewiges Wasser - Mahā Lakṣmī

Alter: 35–42 Jahre

Anatomie: Hinter den Augenbrauen in der Mitte des Schädels/Hypophyse. Auch bhrūmadhya genannt.

Symbolik: Ein weißer Lotus mit zwei Blütenblättern, eine silberne Scheibe, ein schwarzer liṅga.

iccha shakti para

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