MAṆIPŪRA Chakra
Das Chakra im Bereich des Nabels wird maṇipūraka (Haus der Edelsteine) genannt, da der Körper wie Edelsteine an einer Schnur von vāyu (prāṇa) durchdrungen ist.
Das jīva, angetrieben von den vergangenen tugendhaften und sündhaften Karmas, wirbelt in diesem großen Chakra mit zwölf Speichen herum, solange es die Wahrheit noch nicht erfasst hat.
Dhyānabindhu Upaniṣad (48–50)
Der SITZ DER MACHT
Das maṇipūra-Chakra, auch bekannt als das „Haus der Kristalle“, ist das Zentrum der Selbstermächtigung und der Sitz des wachen Bewusstseinszustands (jāgrat).
Es repräsentiert die Kraft des Feuers und des Geistes, die, wenn sie transformiert wird, den letzten Aspekt der kriyāśakti, der universellen Handlungskraft, formt.
Aus den Tiefen des Verlangens und der Blindheit der unteren Zentren aufsteigend, ermöglicht das erwachende maṇipūra dem Praktizierenden, blinde Begierden zu überwinden und das eigene Schicksal in die Hand zu nehmen. Gezieltes Handeln ist das, was im Nebel der Leidenschaften den unteren Zentren fehlt; maṇipūra, das Feuer, ist die Fähigkeit zu sehen. Dieses innere und äußere Sehen ermöglicht es dem Geist, einen Pfad in die Zukunft zu wählen.
Maṇipūra ist der Sitz des mānas, des Geistes, und damit die Quelle des manomaya kośa – des mentalen Körpers, des Sitzes unseres Wissens und unserer Projektionen.
Die eigentliche Realität existiert jenseits des Kategorisierbaren. Sie ist unbegreiflich, wie das Blatt eines Baumes, ein Stein oder dieses Buch – all diese Dinge sind zwar in Kategorien erfassbar, doch ihr wahres Wesen geht weit darüber hinaus. Das, was tatsächlich ist, ist nicht erfassbar; es würde unseren Geist auflösen. Daher muss der Geist, um in der Welt operieren zu können, ein einziges erfassbares Bild aus der unfassbaren, großen Realität herausschälen.
Auf diese Weise zerstört der Verstand mit jeder Kategorie das unendliche Potenzial dessen, was ist, zugunsten einer einzigen Sache – das kosmische Erleben zugunsten eines einzigen Menschen, der du bist.
Der Geist schafft Illusionen, Bilder und Geschichten und lässt einen glauben, dass dies die Welt ist. Klammern wir uns an diese Bilder, schrumpft die Welt in die Grenzen dieser Bilder; das pulsierende Wunder der Welt geht verloren. Denn das Wunder ist das, was immer neu entsteht, ohne das Erfassen; es entfaltet sich jenseits des Geistes und präsentiert sich dann ihm als Geschenk.
Wenn das Wunder in einem simplen Abbild seiner selbst erstickt, geht die Welt mit ihm verloren; der Geist kreist nur noch um sich selbst und meint, die Welt zu kennen. Und wenn er nach außen blickt, sieht er nur sein eigenes Spiegelbild, die Fratze seiner Illusionen. Depression, Wut und Angst fassen dann Fuß.
Denn wenn das Unendliche dem Endlichen weichen muss, wird das Unendliche Selbst in dir in einer endlichen Welt eingeschlossen; dann ist Verzweiflung unvermeidlich. Daher muss der Geist transformiert werden; man muss ihn wie Salz ins Meer der Unendlichkeit gießen, dann wird das Selbst aus seinem Gefängnis befreit
Der Weg aus dieser Begrenzung führt für den Yogi durch den Geist selbst, denn der Yogi muss den Geist verwenden, um den Geist selbst zu überwinden. Dieser paradoxe Vorgang ist der Weg des śaktopāya, des Weges der Kraft. Der Geist, der die Quelle der bindenden Illusion ist, besitzt die Kraft, eine befreiende Illusion zu schaffen.
Śakti ist Bindung und Freiheit zugleich.
Der Geist muss ein Bild der höchsten Realität schaffen und sich dann selbst in diesem Bild auflösen. Die Konzentration auf das höchste Selbst durchbricht die Barriere aller Kategorien und bringt das Selbst in den meditativen Zustand des Seins – dass es nur eine große, formlose Realität gibt. So wird der Geist befreit und wieder eins mit dem Ozean.
Wenn du deinen Geist auf mich richtest und mich von ganzem Herzen verehrst, wirst du sicher zu mir kommen; dies verspreche ich, weil ich dich liebe.
Bhagavad Gita [18.65]
Wenn man den eigenen Geist dem Unendlichen überlässt, fallen alle Begrenzungen, und der Weg zur Erweckung des letzten Aspekts der universalen Kraft der Handlung (kriyāśakti) wird frei: īśvara-praṇidhāna – die Hingabe an Gott.
Hingabe an den Ozean des Universalen bringt den Geist zum Schweigen und öffnet ihn für die Schönheit dessen, was jetzt ist, was wirklich ist.
Nur wenn die drei Kräfte der unteren Zentren erweckt und vereint sind – Hitze (tapas), Achtsamkeitskultivierung (svadhyaya) und Hingabe an Gott (īśvara-praṇidhāna) – kann die Kuṇḍalinī durch das individuelle Selbst zum Herzen aufsteigen.
Das ist der Weg zur Selbstverwirklichung und zugleich der Weg, ein lebendiger Teil von allem zu werden.
EIGENSCHAFTEN
Ausgewogen:
Willenskraft, Konzentration, Gefühl von Freiheit und Wunder, Stille. Leichtigkeit in Entscheidungen und Handlungen. Akzeptanz des Todes. Kontrolle über den eigenen Körper. Gesunde Haut, leichte Verdauung, starker Stoffwechsel, ausgeglichenes Gewicht.
Unausgewogen:
Schwäche des Willens, Geistes und Fokus. Getrieben von blinden Ambitionen und innerer Unruhe. Schwierigkeiten, eine Persönlichkeit im Leben zu etablieren. Nervöses Wesen. Instabiler Stoffwechsel, Untergewicht. Aggression, Verdauungsschmerzen und -probleme, Entzündungskrankheiten, Hautprobleme.
Bedeutung: Haus der Kristalle
Mantra: Oṃ agni namaḥ
Element bīja: Raṃ, Feuer (agni)
Aspekt von kriyāśakti: Īśvara-praṇidhāna – Hingabe an Gott
Alter: 14–21 Jahre
Anatomie: Befindet sich in der zentralen Achse hinter dem Nabel. Die Bihar School gibt seine Position am Nabel an.
Symbolik: Ein Lotus mit 10 Blütenblättern, ein nach unten gerichtetes Dreieck, das strahlt wie die aufgehende Sonne.
Übung für das Nabel Chakra
Hier in unserem Download-Bereich findest du die Übung „Manipura Kriya”. Diese Übung ist eine Verehrung und Erweckung der Energie des Nabel Chakras.
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Mehr zu den Chakren hier
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