Mondgruß im Kundalini Yoga

Mondgruß im Kundalini Yoga

Candranamaskāra – der Mondgruß im Kundalini Yoga

Candra“ bedeutet Mond, „namaskāra“ heißt Gruß oder Verehrung.

Das Licht des Mondes ist ein Spiegelbild der Sonne – genauso wie unser Geist, unser Ich und unser Verstand Spiegel ewigen Bewusstseins sind. In diesem Sinn ist der Mond ein Tor zur Individualität, zum Selbst. Den Mond zu verehren bedeutet, den Geist, das Ego und das eigene Selbst zu ehren. Indem wir uns dem Mond zuwenden, ihn liebevoll anschauen, ihn mit Bewusstsein durchdringen und annehmen, bringen wir ihn zurück ins Licht. Wenn wir uns unseren Träumen zuwenden, verwandeln sie sich. Wenn wir in die Nacht eintreten, wird sie zum Tag.

Der Mondgruß im Kundalini Yoga – Candranamaskāra – ist ein ritueller Ausdruck dieser Verehrung. Er lädt uns ein, in die Tiefe zu gehen, uns mit der stillen Kraft des Mondes zu verbinden und durch achtsame Bewegung inneres Gleichgewicht zu finden.

Das Viśuddhi-Chakra steht für die Verwandlung des Geistes. Es ist der Raum, in dem das Selbst sich im Kosmos vollständig ausdehnt, wo das Licht des Mondes und die Sterne eins werden. Deshalb ehren wir mit dem Mondgruß auch die Energie von viśuddhi – wir finden Heilung in unseren Träumen, gehen in die Stille der Meditation und tauchen ein in die Weite der Ewigkeit.

Im Kundalini Yoga

Im Kundalini Yoga kannst du vor jedem Mondgruß die Mantras der Aṣṭa Mātṛkās, der acht göttlichen Mütter, rezitieren. Sie stehen für die Kräfte der Seele, die sich in den acht Phasen des Mondes ausdehnen und wieder zusammenziehen. Dort wo die Mutter ist dort ist Shakti.

Die Mantras der Aṣṭa Mātṛkās sind:

New Moon – Cāmuṇḍā

Oṁ Hrīṁ Cāmuṇḍāyai namaḥ – Death, Ego dissolution.

Waxing Crescent – Brāhmaṇī

Oṁ Aiṃ Brāhmaṇyai namaḥ – Divine wisdom, creative beginning

First Quarter – Kaumārī

Oṁ Klīṁ Kaumāryai namaḥ – Warrior maiden Courage, action

Waxing Gibbous – Vaiṣṇavī

Oṁ Śrīṁ Vaiṣṇavyai namaḥ – Protection, stability, harmony

Full Moon – Maheśvarī

Oṁ Hūṁ Maheśvaryai namaḥ – Light, Fullness, expanded consciousness

Waning Gibbous – Indrāṇī (Aindrī)

Oṁ Krīṁ Aindryai namaḥ – Sovereignty, royalty self-worth

Last Quarter – Vārāhī

Oṁ Glauṁ Vārāhyai namaḥ – Purification, truth grounding

Waning Crescent – Narasimhī

Oṁ Kṣraum Narasiṁhyai namaḥ – Fierce protection, wild dance, shadow

Praktiziere mindestens 8 Runden – oder ein Vielfaches davon.

Mond Phasen handzeichnung, bleistift, Matsya Yoga Wien

Dieser Mondgruß, in welcher Form du ihn auch übst, ist der Göttin gewidmet.

Wir unterrichten zwei Varianten:

Tiefe Atmung

Vor jeder Runde kannst du eine der acht Mütter anrufen – die Aṣṭa Mātṛkās, die die Mondphasen symbolisieren. Lege dazu die Hände vor dem Herzen zusammen und rezitiere das jeweilige Mantra mindestens dreimal.

Dann kannst dann du den Mondgruß auf zwei Weisen praktizieren:

  • Ein kompletter Atemzyklus pro Haltung: Einatmen beim Hineingehen, ausatmen beim Verweilen.
  • Ein Atemzug pro Haltung: Einatmen beim Wechsel in die Haltung, Ausatmen beim nächsten Übergang.

Beweg dich langsam. Der nährende Zustand des Geistes liegt zwischen Wachen und Träumen – lass dich in diesen Übergangsraum hineinfallen. Dort findet Wandlung statt.

Mit Bhrāmarī

In dieser Variante die aus dem transformational Hatha Yoga stammt, die auch eng mit dem Kundalini Yoga verknüpft ist, rufen wir den nährenden Aspekt des Mondes an.

Jede Haltung wird sanft mit der Einatmung eingenommen und mit der Ausatmung vertieft. Und mit jeder Ausatmung lässt du die Bhrāmarī-Vibration im Körper erklingen.

Bhrāmarī ist der heilige Klang, der das Tor zum Brahman öffnet. Er löst den Geist im kosmischen auf.

Bhrāmarī ist auch die Göttin, die als Bienenschwarm erscheint – süß wie Nektar, sie trägt alle Sorgen davon und lässt den Geist im Ozean des Nektars dahinschmelzen.

Bevor du beginnst, setze dich ruhig in Vajrāsana und rufe die Göttin an – als Soma, den kosmischen Nektar:

Oṁ Śrīma Candrāya Soma-Somāya Namaḥ

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Die Haltungen im Überblick:

Vajrāsana – Blitzhaltung

Setze dich entspannt auf deine Fersen. Lege die Hände vors Herz. Spüre das silberne Licht des Mondes oder rezitiere das Mantra.
Diese Haltung leitet die Kraft des „Vajra“ – des Donnerkeils – nach oben und macht sie für deine spirituelle Entwicklung zugänglich.

Śaśāṅkāsana – Hasenhaltung

Aus Vajrāsana heraus: Arme nach oben, Handflächen nach vorne – dann verneige dich nach vorn. Übergib dich dem Mond.

chandra namaskara mond gruss - vajrasana shashankasana

Aṣṭāṅga Namaskāra – Achtpunktgruß

Komm langsam mit Kinn, Händen, Brust, Knien und Zehen auf den Boden.
Spüre, wie Viśuddhi hier aktiviert wird.

Ps. Wenn du pro Haltung einen Atem nimmst, fließt du direkt vom Hasen in die Kobra – wie im „Schlagenden Kobra“-Fluss (śaśāṅka-bhujaṅgāsana).

Bhujaṅgāsana – Kobra

Gleite sanft vor, hebe dich nach oben, beuge dann die Ellbogen und öffne dein Herz weit nach hinten.
Der Blick geht in den weiten Raum – erinnere dich an Ājñā.

Parvatāsana – Berg

Drück dich nun zurück in die Haltung des Berges – kraftvoll und still, wie Pārvatī selbst.
Atme langsam und tief.

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Aśva Sañcalanāsana – Reiterstellung

Im ersten Mondgruß mit dem linken Fuß nach vorne (im nächsten mit dem rechten). Fingerspitzen am Boden, Handflächen nach hinten, Blick zum Himmel.

Ardha Candrāsana – Halbmond

Dreh die Handflächen zueinander, hebe die Arme in den Himmel.
Stell dir vor, du hältst die silberne Mondscheibe zwischen deinen Händen.

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Pādahastāsana – Hände-zu-Füßen-Haltung

Aus dem Halbmond bring deine Hände langsam zu den Füßen und steig mit dem hinteren Bein nach vorn.
Beuge erst die Knie, leg den Bauch sanft an die Oberschenkel, dann streck langsam die Beine – so bleibt dein Herz offen und geschützt.
Übergib dich der Nacht – sie bringt Regeneration.

Hastottānāsana – Gestreckte-Arme-Haltung mit Rückbeuge

Streck dich hoch und weit zurück – dein Körper formt einen Halbmond.
Schenke dem Mond deine Handflächen – sie sind Tore zu deinem Herzen, durch die das Licht eintreten darf.

Praṇāmāsana – Gebetshaltung

Bringe die Hände vom Herzen zusammen. Lass das Mantra noch einmal erklingen – als Gruß an die Mutter, den Mond in seiner heilenden, regenerierenden Kraft:

Oṁ Śrīma Candrāya Soma-Somāya Namaḥ

mond gruss hand zeichnung bleistift

Hastottānāsana

Streck dich noch einmal hoch und weit zurück – öffne dich erneut dem Mondlicht.

Pādahastāsana

Bring die Hände sanft zurück zu den Füßen. Knie beugen, Bauch an die Oberschenkel, dann die Beine wieder strecken.
Schau nach innen.

Aśva Sañcalanāsana

Nun tritt das linke Bein nach hinten (linkes Bein im ersten Durchgang, im nächsten das rechte).
Finde deinen Stand – und dein Gleichgewicht.

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Ardha Candrāsana

Die Hände zeigen wieder nach oben, halten die silberne Mondscheibe.
Fühle dich getragen vom Licht.

Parvatāsana

Bring die Hände zum Boden und geh zurück in den Berg – in die Kraft von Pārvatī.

Atme tief und bewusst.

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Aṣṭāṅga Namaskāra

Senke nun Knie und Kinn zum Boden, komm zurück in die Achtpunkt-Haltung. Ellbogen nah am Brustkorb.
Der Blick geht weich in die Weite, nicht in den Boden. Deine innere Ausrichtung ist nach vorn gerichtet – dṛṣṭi zum Horizont.

Bhujaṅgāsana

Heb dich wieder in die Kobra – Arme lang, Brust geöffnet.

Lass dich von deinem Herzen führen.

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Śaśāṅkāsana

Zurück in die Hasenhaltung – leg dich hinein in die kühlende Stille des Mondes.

Vajrāsana

Richte dich wieder auf. Handflächen zeigen nach vorn, Arme heben sich noch einmal zum Himmel, zum leuchtenden Mond.
Dann bring die Hände auf die Oberschenkel – sie bringen das Mondlicht mit sich zurück.

Das war eine vollständige Runde.

Bring nun die Hände wieder vors Herz – und beginne, wenn du magst, die nächste Runde:

Oṁ Śrīma Candrāya Soma-Somāya Namaḥ

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Sonnengruß im Kundalini Yoga

Sonnengruß im Kundalini Yoga

Der Sonnengruß im Kundalini Yoga – Das Tor zum Leben

Der Sonnengruß ist eine Erweckung und Verehrung des Lebens auf allen Ebenen des Menschseins. Es gibt im Yoga kaum eine Übung, die so gut in allen Lebenslagen, egal ob jung oder alt, gesund oder krank, anwendbar ist und die damit sicher über alle Lebensjahre hinweg geübt werden kann.

Im Kundalini Yoga wird der Sonnengruß als reinigende und vorbereitende Übung angesehen, die auf eine tiefere Praxis vorbereitet. Wenn jedoch Mula Bandha zwischen den Haltungen gesetzt wird oder der Sonnengruß zusammen mit Kapalabhati ausgeführt wird, verwandelt er sich in ein mächtiges Werkzeug, um Energie zu erwecken und ins Zentrum zu ziehen.

Generell gilt, dass der Sonnengruß erhellend und stärkend auf allen Ebenen des Menschseins wirkt – Körper, Geist und Seele. Bevor wir uns den Formen des Sonnengrußes im Kundalini Yoga zuwenden, betrachten wir, wie er auf die verschiedenen Ebenen des Menschseins wirkt:

 

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Annamaya Kosha

Gesundheit ist ein Zustand, der sich natürlicherweise einstellt, wenn sich der Körper frei durch das Leben bewegen kann.

Die Freiheit, sich zu bewegen und zu atmen, ist nicht nur für die Bewegungsfähigkeit selbst gut – sie ist ein Tor zur Teilhabe am Leben und damit zur Fähigkeit, die Geschenke des Lebens anzunehmen.

Der Sonnengruß ist daher vor allem auf körperlicher Ebene ein Tor zum Leben selbst. Wenn dieses Tor geöffnet wird, kann alles Gute eintreten – die fruchtbare Herausforderung und das Geschenk des Lebens können sich entfalten.

Der Sonnengruß macht flexibel, regt den Kreislauf an und öffnet den Menschen für den Tag. Es ist kaum vorstellbar, müde oder niedergeschlagen zu bleiben, wenn man am Morgen 12–24 Sonnengrüße praktiziert.

Er schafft eine fruchtbare Spannung im Körper – und diese Spannung ist das Fundament, auf dem das Leben getragen werden kann. Müdigkeit und Verwirrung finden darin keinen Platz.

 

Prāṇamaya Kosha

Auf der Ebene des Prāṇa schafft der Sonnengruß Raum, um mit Emotionen umzugehen – er schenkt Gelassenheit.
Doch diese Gelassenheit ruht auf innerer Kraft und bewusst gesetzter Spannung.

Dort, wo Kraft bewusst eingesetzt wird, ist Entspannung möglich.

Auch emotional wirkt der Sonnengruß öffnend – er ermöglicht konstruktive Aggression, die einem hilft, im Leben voranzuschreiten, loszulassen und mit Freude an den Herausforderungen teilzunehmen. Yoga ist die Einheit der Gegensätze.

Er befreit von Depression und verwandelt sie in Aktivität. Er befreit von Angst und verwandelt sie in Kraft.

 

Manomaya Kosha

Auf der Ebene des Geistes befreit der Sonnengruß von unnötigen Gedanken – sie werden im Feuer der Bewegung verbrannt.

Gedanken sind wie Wolken – dahinter ist immer der Himmel, und hinter ihm sind immer die Sterne, und dort ist die Unendlichkeit.

Wer den Sonnengruß täglich übt, entwickelt einen klaren Geist, der das Unnötige vom Wesentlichen unterscheiden kann, das Ziel erkennt und selbstsicher darauf zugeht.

Vijñānamaya Kosha

Wer den Sonnengruß aus dem Herzen übt, überwindet sich selbst. Irgendwann lässt du das hinter dir, was du glaubst, sein zu müssen.

Wenn du vergisst, was du bist, gehst du vom Wollen ins Sein.

Dann bist du bereits – dieses Sein ist dein Ruhen in der Welt, dein stilles Wissen über den Weg, über die Seele.
Von dort fließt das nicht artikulierte Wissen in das artikulierte hinein – dort ist die Quelle deiner Glaubenssätze, und dort ist die Quelle deines echten Wissens.

Kläre dein Gewissen, übe in Hingabe und finde Frieden mit dir selbst.

Vijñānamaya Kosha

Wer den Sonnengruß aus dem Herzen übt, überwindet sich selbst. Irgendwann lässt du das hinter dir, was du glaubst, sein zu müssen.

Wenn du vergisst, was du bist, gehst du vom Wollen ins Sein.

Dann bist du bereits – dieses Sein ist dein Ruhen in der Welt, dein stilles Wissen über den Weg, über die Seele.
Von dort fließt das nicht artikulierte Wissen in das artikulierte hinein – dort ist die Quelle deiner Glaubenssätze, und dort ist die Quelle deines echten Wissens.

Kläre dein Gewissen, übe in Hingabe und finde Frieden mit dir selbst.

sun hand drawing pencil

Die 12 Positionen des klassischen Sonnengrußes

Der traditionelle Sonnengruß – wie er auch an der Bihar School of Yoga gelehrt wird – besteht aus 12 Positionen. Jede dieser Haltungen ist einem der 12 Namen der Sonne zugeordnet und reflektiert einen ihrer Aspekte.

Die Positionen sind:

  • Pranāmāsana – Gebetshaltung
  • Hastottānāsana – Haltung der erhobenen Arme
  • Pādahastāsana – Hände-zu-Füßen-Haltung
  • Aśva Sañcalanāsana – Reiterposition
  • Parvatāsana – Bergposition
  • Aṣṭāṅga Namaskāra – Acht-Punkte-Gruß
  • Bhujaṅgāsana – Kobra
  • Parvatāsana – Bergposition
  • Aśva Sañcalanāsana – Reiterposition
  • Pādahastāsana – Hände-zu-Füßen-Haltung
  • Hastottānāsana – Haltung der erhobenen Arme
  • Pranāmāsana – Gebetshaltung
sun salutations positions hand drawing pencil

Formen der Praxis im Kundalini Yoga

Ein Atemzug pro Haltung – Fließende Atmung

Die einfachste und zugleich schönste Form des Sonnengrußes ist jene, bei der der Atem die Bewegung trägt. Nicht jede Haltung bekommt starr einen Atemzug zugeordnet – vielmehr führt der Atem, und die Bewegung folgt.

„Erst kommt Prāṇa, dann folgt der Körper. Der Atem ist die Seele des Körpers.“

Diese Form kann schnell oder langsam geübt werden – so wie der Fluss deines Atems es vorgibt. In der letzten Position kannst du deine Hände vom Kosmos zurück zum Herzen führen – begleitet von einem lauten oder stillen OM.

Atemfolge (orientierend):

  • Pranāmāsana – Ausatmen
  • Hastottānāsana – Einatmen
  • Pādahastāsana – Ausatmen
  • Aśva Sañcalanāsana – Einatmen
  • Parvatāsana – Ausatmen
  • Aṣṭāṅga Namaskāra – Atem halten – Halte die Leere
  • Bhujaṅgāsana – Einatmen
  • Parvatāsana – Ausatmen
  • Aśva Sañcalanāsana – Einatmen
  • Pādahastāsana – Ausatmen
  • Hastottānāsana – Einatmen
  • Pranāmāsana – Ausatmen – OM

Zwei Atemzüge pro Haltung – Mula Bandha

In dieser Form nimmst du dir Zeit, in jede Haltung einzutauchen. Der Blick ist nach innen gerichtet, der Atem wird still und kontrolliert.

Mula Bandha wird den meditativen Effekt der Übung in einen kräftigenden verwandeln. Sobald Mula Bandha am Ende jeder Ausatmung und jeder Einatmung gezogen wird, dehnt sich das Prana aus. Bereits nach drei Runden stellt sich ein Gefühl der magnetischen Kraft ein.

Wo ist Mula Bandha?

Wo sich Mula Bandha genau befindet, ist weniger wichtig als die Empfindung des Wurzelverschlusses selbst. Die Muskulatur des Anus, der Genitalien, des Perineums und der Zervix sind alle gleichermaßen an dem beteiligt, was den unteren Verschluss der Kraft ausmacht.

Stell dir vor, dass du in der Mitte zwischen den Atemzügen die Kraft ins Zentrum ziehst. Wenn du spürst, wie die Kraft aufsteigt, hast du das Bandha gefunden. Dies ist das Tor zum Kundalini Yoga.

  • Einatmung – Du gehst in die Haltung.
  • Ende der Einatmung – Ziehe Mula Bandha in Fülle.
  • Ausatmung – Du dehnst die Kraft der Haltung aus und entspannst dich.
  • Ende der Ausatmung – Ziehe Mula Bandha in Leere.

Jede Haltung wird so präsenter. Das Eintauchen in Dehnung und Stille wird möglich. Die Praxis mit zwei Atemzügen pro Position ist ruhig, meditativ und regenerierend.

Sie wirkt auf der Ebene des Manomaya Kosha. Mula Bandha dehnt das Prana aus; wenn der Geist still bleibt, ohne Agitation, öffnet sich das Tor zur großen Kraft.

 

Kapalabhātī – Die feurige Reinigung

Diese kraftvolle Praxis wurde mir von meinem Kundalini Yoga Lehrer vermittelt. Sie Reinigt, und schafft die Basis und Kraft für tiefere Übungen. In jeder Haltung wird ein kurzer Impuls Kapalabhātī aus dem Nabel gesetzt.

Kraft

Diese Form ist energetisierend, reinigend (körperlich & geistig) und befreiend von unnötigen Gedanken und Emotionen. Der Fokus liegt auf dem Uḍāna Prāṇa, der aufsteigenden Lebenskraft, die nach Ausdehnung strebt. Im Tantra wird Uḍāna Prāṇa auch als Manifestation der Kundalini verstanden.

Die Bewegungen sind sanft und schnell – wie ein Tanz um die Mitte, nicht jedoch wie bewusst gesetzte Dehnung. Jede Haltung wird nur flüchtig berührt.

Geschwindigkeit

Beginne langsam und vorsichtig, setze jeden Kapalabhati-Impuls achtsam. Wenn du dich sicher in der Bewegungsfolge fühlst, kannst du die Geschwindigkeit allmählich erhöhen, sodass die Bewegung zu einem feurigen Tanz um die Mitte wird.

Die Leute haben oft zwei Formen von Blockaden:

  • Entweder hat der Geist Angst, in die Tiefe einzusinken und kann eine Bewegung nicht langsam und bewusst ausführen.
  • Oder der Geist versteift sich und schafft es nicht, in im Fluss der Geschwindigkeit loszulassen.

Diese Übung fordert dich auf, dich dem Fluss der Kraft hinzugeben.

Abschluss

Am Ende jeder Runde, wenn du in Pranāmāsana zurückkehrst, singst du ein Mantra – das Mantra bringt dich zurück in dein Zentrum:

Om śrīma sūryāya nārāyaṇāya namaḥ

Diese Praxis ist wie eine Dusche aus Licht, eine Feuerzeremonie des Atems.

 

Mantra im Sonnengruß

Die Sonne ist der Ursprung des Lebens: Alle Dinge bewegen sich um sie, alles wird in ihr wieder vergehen. Jeder Windhauch, die Wellen des Wassers, das Wachsen der Pflanzen – alles geht auf ihre lebensspendenden Strahlen zurück.

Diese Form wird nicht exklusiv im Kundalini Yoga angewandt, jedoch ist Kundalini Mantra-śakti. Sie ist die Gott in Form von Klang (Śabda Brahman). Daher ist sie zugleich die Vitalität aller Mantras.

Wenn Bewegung und Mantra vereint werden, ist das ein kraftvolles Werkzeug, die Göttin zu ehren. In der Hingabe im Mantra schwingt sie als die elektrische Kraft die dem Mantra das Leben verleiht.

Die 12 Namen der Sonne:

Du kannst in jeder der 12 Haltungen einen der 12 Namen rezitieren, oder in Pranāmāsana vor jeder neuen Runde ein Mantra singen, um dich zu zentrieren.
Am Ende jeder Runde (von Hastottānāsana zu Pranāmāsana) kannst du bei der Ausatmung das entsprechende Bīja-Mantra (Hrāṁ, Hrīṁ …) singen.

Hrāṁ Oṁ Hrāṁ Mitrāya Namaḥ – Ich grüße dich, großer Freund!

Hrīṁ Oṁ Hrīṁ Ravaye Namaḥ – Ich grüße dich, Beschützer aller!

Hrūṁ Oṁ Hrūṁ Sūryāya Namaḥ – Ich grüße dich, Quelle allen Guten!

Hraiṁ Oṁ Hraiṁ Bhānave Namaḥ – Ich grüße dich, Strahlende Sonne!

Hrauṁ Oṁ Hrauṁ Khagāya Namaḥ – Ich grüße dich, Himmelswanderer!

Hraḥ Oṁ Hraḥ Pūṣṇe Namaḥ – Ich grüße dich, die Nährende!

Hrāṁ Oṁ Hrāṁ Hiraṇyagarbhāya Namaḥ – Ich grüße dich, goldener Lebensschoß!

Hrīṁ Oṁ Hrīṁ Marīcaye Namaḥ – Ich grüße dich, glänzender Strahl!

Hrūṁ Oṁ Hrūṁ Ādityāya Namaḥ – Ich grüße dich, Anfang allen Seins!

Hraiṁ Oṁ Hraiṁ Savitre Namaḥ – Ich grüße dich, schöpferische Kraft!

Hrauṁ Oṁ Hrauṁ Ārkāya Namaḥ – Ich grüße dich, feuriger Lichtstrahl!

Hraḥ Oṁ Hraḥ Bhāskarāya Namaḥ – Ich grüße dich, strahlende Quelle des Lichts!

Sun Yantra hand drawing pencil

Sūrya Namaskāra im Kundalini und Hatha Yoga

Lass uns nun gemeinsam durch die einzelnen Positionen des Sūrya Namaskāra gehen – das Tor zum Leben.

Die Positionen sind in jeder Form der Atmung oder auch mit Mantra, ob die Form nun die Entfaltung der Kundalini unterstützt oder nicht ident, daher werfen wir nun einen genauen Blick auf alle Haltungen.

Hinweis: In jeder Runde ist jeweils ein Bein führend beim Zurück- und Vorsteigen. In der ersten Runde beginnt das rechte Bein, in der zweiten Runde ist es das linke.

Pranāmāsana – Gebetshaltung

Stehe aufrecht mit geschlossenen Füßen. Die Hände sind leicht gegeneinander gedrückt vor dem Herzen. Spüre die Kraft deiner Mitte.

Om śrīmaḥ sūryāya nārāyaṇāya namaḥ

Drishti (Blickfokus): Zum Horizont, mit dem inneren Fokus im Herzen.

Hastottānāsana – Haltung der erhobenen Arme

Mit der Einatmung hebe die Arme über den Kopf und öffne deine Handflächen dem Kosmos. Die Beine bleiben aktiv, die Brust ist weit geöffnet, die Arme leicht gespreizt.

Drishti: In den Kosmos

Pādahastāsana – Hände-zu-Füßen-Haltung

Beuge dich aus der Hüfte nach vorne. Die Hände kommen neben die Füße, Finger neben die Zehen. Die Knie dürfen zunächst gebeugt sein, um den Bauch an die Oberschenkel zu bringen. Dann strecke langsam die Beine, sodass die Stirn auf den Knien ruht.

Drishti: Zum Nabel

Yoga hasta uttanasana pranamasana surya namaskara Handzeichnung Bleistift

4. Aśva Sañcalanāsana – Reiterposition

Steige mit dem rechten Bein zurück. Die Fingerspitzen bleiben neben den Zehen am Boden, die Handflächen heben sich leicht. Das Becken sinkt, das rechte Knie bleibt über dem rechten Fuß. Die Brust wölbt sich nach vorne, der Kopf ist leicht im Nacken.
Drishti: Ajñā Chakra (zwischen den Augenbrauen)

 

Yoga ashwa sanchalanasana surya namaskara Handzeichnung Bleistift

5. Parvatāsana – Bergstellung

Steige mit dem linken Bein zurück in den Berg. Füße geschlossen. Die Hände, Schultern und Hüften bilden eine Linie – kein Hohlkreuz, kein Buckel. Die Knie dürfen leicht gebeugt bleiben, damit das Becken Freiheit hat.

Drishti: Zum Nabel – genieße die Weite und Kraft

6. Aṣṭāṅga Namaskāra – Acht-Punkte-Gruß

Senke zuerst die Knie zum Boden, dann das Kinn zwischen die Fingerspitzen. Rutsche mit dem Becken leicht nach vorne, bis das Brustbein den Boden berührt. Acht Punkte berühren nun die Erde: Füße, Knie, Brustbein, Kinn und Hände.

Drishti: Zum Horizont – nach vorne, nicht zum Boden

Yoga pavatasana ashtanga namaskara surya namaskara Handzeichnung Bleistift

9. Aśva Sañcalanāsana – Reiterposition

Steige mit dem rechten Bein nach vorne. In der nächsten Runde wirst du das Bein wechseln. Fingerspitzen berühren den Boden, Handflächen heben sich. Die Hüfte sinkt, die Brust öffnet sich, der Blick geht nach oben.

Drishti: Ajñā Chakra

 

Yoga ashwa sanchalanasana surya namaskara Handzeichnung Bleistift

10. Pādahastāsana – Hände-zu-Füßen-Haltung

Steige mit dem linken Bein nach vorne. Lass die Knie gebeugt, wenn das hilft, den Bauch an die Oberschenkel zu bringen.

Drishti: Nach innen – in die Stille

11. Hastottānāsana – Haltung der erhobenen Arme

Mit gebeugten Knien und geradem Rücken richte dich nach oben auf. Öffne die Brust, lasse die Arme sich leicht ausbreiten und zeige deine Handflächen dem Kosmos.

Drishti: In den Kosmos – er ist dein Zuhause

12. Pranāmāsana – Gebetshaltung

Führe die Hände über dem Kopf zusammen und senke sie langsam vor das Herz. Beim Senken der Arme kannst du das Bīja-Mantra des Sonnenaspekts oder einfach OM singen, um die Verbindung zwischen Kosmos und Herz zu feiern.

Drishti: Nach innen – zum Herzen

Das ist eine Runde.

Yoga asana Handzeichnung hasta uttanasana

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Warum ist Tantra geheim?

Warum ist Tantra geheim?

Das Geheimnis im Wesen des Yoga

Das Geheimnis im Yoga hat zwei große Aspekte. Zunächst einmal ist Yoga – und das Tantra, das ein Teil davon ist – kein Geheimnis im Sinne eines verbotenen Wissens, das man nicht weitergeben darf. Vielmehr ist Yoga etwas, das seinem Wesen nach dem gewöhnlichen Menschen und dem alltäglichen Leben auf natürliche Weise verborgen bleibt.

Das liegt daran, dass Yoga eine innere Natur besitzt, die unausgesprochen ist – nicht, weil sie nicht ausgesprochen werden darf, sondern weil sie unaussprechlich ist. Die Seele des Yoga entzieht sich den Kategorien des Verstandes, allen Worten und Handlungen, die versuchen könnten, sie auszudrücken.

Jeder Versuch, diesen innersten Kern sichtbar zu machen, würde ihn nur verschleiern. Ihn als leicht verständlich oder rein praktisch darzustellen, hieße, genau jenen Teil des Yoga zu ignorieren, der jenseits von Praxis liegt. Diese Ignoranz zerstört den wahren Yoga – und verschließt ihn gerade denen, die ernsthaft danach suchen.

Der Yogi, der Yoga verstehen will, muss das Formlose anerkennen, das allen Formen zugrunde liegt. Je tiefer er in sich selbst blickt, desto deutlicher erkennt er:

Das wahre Yoga – das große Namenlose – entzieht sich Worten, Techniken, Formen. Der Yogi verneigt sich in Stille und bewahrt die Natur des Unnennbaren im Schweigen.

Er zieht es vor, allein mit dem Einen Großen zu sein. Ist er unter Menschen, so handelt er wie sie. Doch wenn die Wahrheit einmal erkannt ist, kann sie durch kein äußeres Mittel erreicht oder verändert werden. Der Yogi wird von Handlungen frei und bleibt unsichtbar in der Welt.

Weil er das große Geheimnis im Herzen trägt, predigt er nicht. Was von innen erkannt wird, ist wahr; was nicht von innen erkannt ist, ist nicht erkannt. Deshalb stört er die Gedanken anderer nicht, denn er hat nichts hinzuzufügen.

Sein Geheimnis ist nur denen offen, die danach fragen.

Worte können nicht ausdrücken, was der Geist erfassen kann. Und der Geist kann nicht erfassen, was Worte zu sagen versuchen. Die Wahrheit liegt jenseits der Sprache. Sie kann von niemandem enthüllt werden – sie muss erfahren werden. Am Ende stehen wir alle sprachlos vor Ihm: dem Namenlosen, dem Formlosen, dem Allgegenwärtigen.

„…Doch der Weise soll die Gedanken der Unwissenden, die an Handlungen gebunden sind, nicht stören. Indem er selbst im rechten Geist handelt und auf Mich ausgerichtet bleibt, inspiriert er still andere, dasselbe zu tun.“

— Bhagavad-gītā 2:25–26

 

 

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Das Geheimnis im Wesen der Wahrheit

Was ist Wahrheit?

Wahrheit ist die Wirklichkeit dessen, was ist. Es gibt Menschen, die behaupten, dass Wahrheit relativ sei, aber das ist nicht richtig. Es gibt viele Blickwinkel auf die Realität einer Sache, und diese Blickwinkel sind Facetten der Wahrheit. Die Wahrheit selbst ist das Wesen einer Sache, und dieses Wesen ist absolut.

Die Tatsächlichkeit der Welt, also die Wahrheit darüber, was die Welt ist, ist ihre Seele, und ihre Erscheinung zeigt sich durch die vielfältigen Augen der Welt. Dieses Wesen der Welt ist die Welt selbst, es ist die Schöpfung und damit Gott. Die Erfahrung dieser Schöpfung ist die Seele der Welt und damit die Göttin.

Die Wahrheit ist also das Göttliche.

Wie können wir dieses Wesen der Wahrheit, also das Wesen der Dinge, verstehen und erkennen? Wie Kierkegaard sagt: „Die Wahrheit ist immer im Einzelnen.“ So ist das Verständnis einer Sache immer ein individueller Prozess. Wenn ein Einsicht kollektiv wird, also geteilt zwischen Individuen im Wort oder im Bild, dann wird sie reduziert auf den Ausdruck, den der Einzelne verstehen kann.

Geteilte Information ist immer der groesste gemeinsame Nenner aller, die sie teilen.

Bist du schon einmal an einem Fußballstadion vorbeigegangen, wenn alle singen? Es ist das dämonische Grölen der Massen. Der Einzelne mag gut singen, doch sobald es 40.000 Menschen tun, verliert sich die Wahrheit in jeder Stimme, und die größte Gemeinsamkeit aller ist leider sehr klein.

Das gleiche gilt für die Einsicht in das Wesen der Natur auf spiritueller Ebene. Gottes Wort wirst du in Einsamkeit am besten hören können, denn dort ist das Einzelne dem Höchsten am nächsten.

Die Seele tauscht Quantität gegen Qualität.

Je mehr das, was wahr ist, geteilt wird, desto weniger ist die Wahrheit vorhanden. Je mehr sie destilliert und ungeteilt bleibt, desto reiner wird sie.

Die größte Vision ist die, die unausgesprochen und ungeteilt bleibt.

Aus diesem Grund muss das Tantra, das wahr ist, ungeteilt bleiben, um der Wahrheit am nächsten zu sein. Nicht weil es geheim ist, sondern weil es im Geheimen dem Wesen der Wahrheit am nächsten sein kann.

 

Yogis Figuren Handzeichnung Chakra

Das Geheimnis der Kraft

An der Quelle des Yoga liegt Shakti – die Kraft. Die Hatha Yoga Pradipika spricht davon, dass Kundalini, ein Name für diese Kraft, der Schlüssel sei, mit dem der Yogi das Tor zur Erleuchtung öffnet.

Diese Kraft ist besonders im Tantra – einer inneren Disziplin des Yoga – präsent. Kundalini wird im tantrischen Text Siddha-Yogeśvarī-Mata erstmals erwähnt. Von dort fand sie ihren Weg in viele Traditionen – auch in unsere Praxis.

„Kundalinī ist der Schoß des Universums. Aus ihr entstehen die drei Śaktis, und aus diesen gehen alle Klänge der menschlichen Sprache hervor.“

— Siddha-Yogeśvarī-Mata

Warum aber ist Kundalini, die Shakti geheim? Shakti ist der Schlüssel zur Existenz. Sie ist Māyā, das Tor zur Illusion, und Kundalinī, das Tor zur Befreiung. Sie ist Jñāna Shakti, das formende Wissen, aus dem das Leben entsteht, das du führst. Alles, was du denkst und glaubst, ist eine Mischung aus deinem Verstehen und deinem Irrtum.

Wenn du nicht irren würdest, wärst du nicht du. Und wenn du nicht auch etwas verstehen würdest – wärst du ebenso wenig du.

Deine Identität besteht aus Licht und Schatten. Shakti ist die Kraft, die beide formt. Deshalb beschreibt das Devī Māhātmya die große Kraft zugleich als höchste Göttin und höchste Dämonin – als Grenzen und Ursprung der Schöpfung zugleich:

„Du bist das große Wissen und die große Illusion,
die große Intelligenz, das große Gedächtnis und die große Täuschung,
die große Göttin und die große Dämonin.“

— Devī Māhātmya 1:77

Tantra – Die Kunst, eins mit der Göttin zu werden

Tantra ist die Kunst, mit der Göttin eins zu werden – eine Reise in das Wissen über das eigene Licht und den eigenen Schatten. Es ist die Konfrontation mit dem Selbst, so wie es sich wirklich zeigt.

Wer bist du in diesem Wissen? Was ist deine Leidenschaft? Warum bist du, wer du bist? Wie bist du hierhergekommen?

Dieses Wissen zerbricht die Persönlichkeit, die aus ihren Grenzen besteht. Das individuelle Selbst wird in das kosmische Sein aufgenommen. Doch dieser Prozess kann nur durch vollständige Hingabe geschehen – denn er ist der Tod des Begrenzten.

Es ist das Einswerden mit Bhairava, dem, dessen Ruf den Tod des Todes verkündet. Auflösung ist Schmerz. Lernen ist Schmerz. Loslassen ist Schmerz – und auch der Tod ist es. Doch hinter jedem Schmerz liegt eine größere Freiheit. Hinter dem Tod des Todes öffnet sich der Himmel in die Weite des Kosmos.

Er ist auch als Bhairava bekannt, da er der Herr jener ist,
die sich an seinem furchterregenden Brüllen (bhīrava) erfreuen –
dem Ruf, der den Tod des Todes verkündet!

Als Meister jener Schar erhabener Yogis,
die der Furcht überdrüssig sind und Befreiung suchen,
ist er Bhairava – der Höchste, dessen Wesen reines Bewusstsein (vijñāna) ist.
Als Spender der Nährung der Seele breitet er seine Kraft im ganzen Universum aus!

— Maṅgala-Śloka zur VBT, Kṣemarāja

The Goddess hand drawing pencil

Die Konsequenz der Macht

Shakti ist Kraft, und Kraft ist Macht – jene dynamische Energie, die das Formlose in Form bringt. Sie ist die Ermöglichung von Selbstverwirklichung – durch die Erfahrung des Selbst.

Doch was uns oft von der Verwirklichung unserer inneren Träume trennt, ist nicht der Mangel an Geld, jener Kraft, die das Denkbare möglich macht, sondern der Schatten unserer Illusionen:

Er täuscht uns mit falschen Träumen und raubt uns zugleich die Kraft, echte Träume zu verwirklichen. Wir sind doppelt gefangen – und diese Gefangenschaft ist Segen und Fluch zugleich.

Denn hätte der Mensch die Macht, all seine Illusionen zu verwirklichen, wäre dies seine Vernichtung.

Stell dir einen Süchtigen vor, dem man plötzlich Reichtum gibt – besser, er bleibt arm.
Andererseits: Wäre das Bewusstsein so frei von jeder Illusion, sodass sich keine Leidenschaften mehr erheben, würde das Leben auch aufhören zu sein.

Die große Kraft lähmt daher das individuelle Sein – um es überhaupt möglich zu machen.

Wer Tantra praktizieren möchte, muss zuerst eine reine Intention haben. Nur wer seine illusorischen Leidenschaften bereits innerlich abgelegt hat, kann diese Macht ertragen – denn sonst würden seine Leidenschaften, in Form gegossen, ihn zerstören.

Tantra ist Macht. Es ist die Fähigkeit das unmanifestierte Wirklichkeit werden zu lassen.

 

Schlange Kundalini handzeichnung

Der Lehrer des Tantra sieht den Schüler still an. Er prüft sein Herz – seine Liebe. Ohne Worte beobachtet er, ob der Schüler tut, was richtig ist.

Wenn der Lehrer erkennt, dass der Ruf der Göttin aus dem Herzen des Schülers spricht, wenn das Opfer gebracht wurde, wenn nichts mehr gebraucht wird – dann darf der Schüler eintreten in das Geheimnis.

Doch dies ist kein Grund zu verzagen. Im Geist der Bhagavad-Gītā sollen wir einfach tun, was gut ist – und dem Wahren treu bleiben.

Wenn die Göttin uns für würdig hält, wird sie uns an der Hand nehmen – und uns in den Tempel führen.

 

Dann dürfen wir dankbar sein.

Kriyas und Klassen in Kundalini Yoga

Kriyas und Klassen in Kundalini Yoga

Unser wunderschönes Buch über Kundalini Yoga Kriyas

Entdecke eine Reise durch das Wunderland deines eigenen Bewusstseins mit unserem wunderschönen Buch: „Kriyas und Klassen im Kundalini Yoga“

Dieses Buch ist allen Yoga-Begeisterten gewidmet und eine wahre Schatztruhe voller Kundalini- und Hatha-Yoga-Klassen. Mit Präzision und Liebe gestaltet, ist jede Klasse, jede Kriya, ein Weg zu tieferer Selbstwahrnehmung und spiritueller Evolution.

Ein Buch aus der Praxis – für die Praxis

Ich habe dieses Buch geschrieben und selbst illustriert – als Leitfaden für unsere Kundalini-Yoga-Lehrerausbildungen. Es war mir wichtig, dass unsere Schüler*innen über strukturierte Klassen verfügen, an denen sie sich orientieren können, wenn sie beginnen, selbst zu unterrichten.

Inspiration für Yogalehrende

Diese Klassen sind keine starren Anleitungen, sondern dienen als Inspiration – du kannst mit ihnen spielen, mit dem Rhythmus des Atems, mit der Abfolge der Haltungen, und deinen eigenen Stil entwickeln.

Sie sind Stützen auf dem individuellen Weg des Yoga. Ob du Yogalehrer bist und deine Klassen mit neuen Ideen beleben möchtest oder jemand, der seine eigene Praxis vertiefen will – dieses Buch lädt dich ein, die Übungssets zu integrieren, zu modifizieren oder zu erweitern.

Denn letztlich muss eine Praxis lebendig sein, um Früchte in deinem Leben und im Leben jener zu tragen, die du durch deine Praxis berührst.

Dieses Buch schließt die Lücke zwischen traditioneller Praxis und zeitgenössischem Yoga. Es verbindet nahtlos klassische Hatha- und Kundalini-Yoga-Techniken, um den Geist der Praktizierenden zu nähren.

Yogis Figuren Handzeichnung Chakra

Richtlinien zur Gestaltung

Die Klassen basieren auf denselben Prinzipien, die auch in unserem Ausbildungshandbuch dargelegt sind:
Symmetrie und Gegenhaltung

Jedes Asana findet im Verlauf einer Klasse seine Gegenhaltung – sowohl entlang der physischen Körperachsen als auch entlang der Pole von Anspannung und Entspannung.

  • Alles, was angespannt wird, muss Entspannung finden.
  • Alles, was geöffnet wird, braucht wieder Stabilität.

Hatha Yoga bedeutet: Kraft in der Mitte zu finden – die Mitte als Tanz zwischen den Polen.

Das Rad des Tages

Jede Klasse ist eine Reise durch dein Bewusstsein – und damit eine Reise durch dein Leben, denn das Leben entspringt deinem Bewusstsein.
Damit ist jede Klasse ein Weg jede deiner Handlungen tiefer zu verstehen – eine Einladung, vollständiger eins mit dir zu werden.

Jede Klasse ist daher ein Reise durch dein Leben.

Mehr dazu findest du im zweiten Teil unseres Yogalehrerausbildungshandbuchs.

Rad der Gegensätze, Gegenpositionen Yoga Zeichnung

Transformational Yoga

Viele Klassen in diesem Buch – insbesondere die Chakra-Serien und das Divine Mother Sadhana – sind nach den Prinzipien des Transformational Yoga gestaltet.

Transformational Yoga bedeutet, dass die Klasse ist eine Reise durch die Schichten deines Seins ist. Wir beginnen im Körper, tauchen in den Atem und das Prana ein, durchqueren den Geist und versinken schließlich im Herzen.

Transformational Yoga nutzt dafür spezifische Techniken wie Kapalabhati und Bhramari – Atemtechniken, die uns helfen, in die tieferen Schichten unseres Wesens vorzudringen.

Mehr dazu findest du in unserem Handbuch – dort gibt es ein ganzes Kapitel zu Transformational Yoga.

Kundalini Yoga – Yoga der Göttin

Kundalini Yoga ist jenes Yoga, das die Göttin als Quelle spirituellen Wachstums ehrt – die Göttin als Schlüssel zur Erkenntnis.

In unserer Praxis gibt es zwei Hauptwege, um die innere Kraft – die Shakti – zu erwecken:

  • als Prana Shakti in Form des Atems,

  • als Mantra Shakti, auch Śabda Brahman, in Form von Klang.

Wir nutzen dazu Techniken wie Bhastrika und Kapalabhati, um das Prana in der Mitte zu aktivieren und nach oben zu führen.
Zudem arbeiten wir mit subtilen Klang-Yoga-Techniken, mit denen wir die innere Kraft verehren und mit ihr in Verbindung treten.

Letztlich ist Kundalini Yoga das Yoga der Göttin – und die Beziehung zu ihr ist eine Beziehung der Liebe. Deshalb ist Kundalini Yoga im Kern immer Bhakti – Hingabe. Ohne sie bleibt es unfruchtbar.

Bahirava Mudra handzeichnung

Die Klassen im Überblick

Pavanmuktasana-Serien

In diesem Buch findest du neu illustrierte Darstellungen der berühmten Pavanmuktasana-Serien von Swami Satyananda Saraswati.
Diese Klassen sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Ausbildungen und bieten wertvolle Werkzeuge, um deine eigenen Klassen zu gestalten.

Die Serien sind Sukshma Vyayam – subtile yogische Übungen – und zählen damit ebenfalls zum Kundalini Yoga.

Sie beinhalten auch atemintensive Abfolgen, wie man sie aus dem modernen Kundalini Yoga kennt, und sind gleichzeitig technisch breit aufgestellt – geeignet für Jugendliche, starke und schwache Körper, sogar für ältere Menschen (z. B. die sanfte Gelenkserie).

Ein großartiger Begleiter für jeden Yogalehrenden!

Das Sadhana der göttlichen Mutter

Diese Klasse musste ich bei meinem Lehrer in Indien 108 Tage lang jeden Morgen üben. Sie hat mir viel über die Tiefe des subtilen Yoga gezeigt – und ich konnte die Präsenz der Mutter darin spüren.

Ich wünsche – aber verlange nicht –, dass auch meine Schüler*innen diesen Weg gehen.

Diese Klasse ist eine Reise durch die Chakren und die Koshas gleichermaßen. Sie führt von unten nach oben durch die Ebenen unseres Wesens – mit den Werkzeugen des Transformational Hatha Yoga.

Diese innere Reise ist zugleich eine Reise durch den Körper der Göttin – dessen Teil wir sind.

Sadhana ist der Weg zum Ziel.
Die Klasse ist der Weg zu deinem inneren Ziel – deinem Herzen, dem Ort endgültiger Zufriedenheit.

swamiji Initiation Handzeichnung

Chakra-Klassen

Diese Klassen beschäftigen sich sukzessive mit den Energien der Chakren – Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum in dir.

Jede Klasse ist eine Reise in dich selbst.
Mache sie, erfahre sie – und schreibe in den Kommentaren, was die jeweilige Klasse für dich bedeutet 😊

Klassen für die fünf Pranas

Apana, Maha, Samana, Udana und Vyana Prana sind fünf Transformationen des Pranas – fünf Kräfte, die im Körper wirken, und zugleich fünf Stufen der inneren Entwicklung.

Im Prozess der Meditation und Ausrichtung auf das höchste Ziel verändert sich das Prana:

  • Apana & Maha – Ausatmung & Einatmung
  • Samana – das Halten und Balancieren in der Mitte
  • Udana – der aufwärtsfließende Strom der Kundalini
  • Vyana – die Einheit mit dem Universellen

Unsere Klassen zu den fünf Pranas erforschen diese Bewegungen der Energie Schritt für Schritt.
Gleichzeitig sind es kurze Klassen (20–40 Minuten), ideal für eine Mittagspause oder Abendpraxis.

Und darin liegt – neben der energetischen Tiefe – ihr praktischer Wert für dich als Lehrer*in:
Kurze, inspirierende Sessions, mit denen du spielen kannst – und die dich inspirieren werden.

Das große Sukshma Vyayam

Diese Serie stammt vom großen Kundalini-Yoga-Lehrer Dhirendra Brahmachari, von dem auch Yogi Bhajan unterrichtet wurde.

Das Sukshma Vyayam ist ruhig, statisch und intensiv – ausdehnend und klärend – und führt dich in den Zustand von Vyana: einen weiten, stillen, meditativen Bewusstseinszustand.

Eine Reise zu den Wurzeln des Kundalini Yoga.

Sound Yoga, OM & Śabda Brahman

Letztlich wollen wir den Klang entdecken – denn das große Geheimnis des Tantra ist:

Die Göttin ist im Kern Klang.

Wer versteht, den Klang in den Körper zu bringen, der versteht, die Göttin in ihrem Wesen zu ehren. Sie ist Gott in Form von Vibration – und diese Vibration kodiert alle Formen des Daseins. Sie ist Leidenschaft – und damit die Quelle aller Schöpfung.

Erfahre diese Klassen jenseits aller Worte. 

Kriyas and Classes in Kundalini Yoga great book cover

Ausschnitte aus diesem Buch

Wenn du noch mehr von diesem Buch entdecken willst, schau einfach in unserem Downloads Bereich vorbei!

Dort sind einige Kundalini Yoga Kriyas aus dem Buch für dich zum Download verfügbar.

Unser Lehrer Mark Dyczkowski

Unser Lehrer Mark Dyczkowski

Verkörperung

Alles, was wahr ist, bleibt in Ewigkeit wahr. Doch das Wahre lebt erst in der Verkörperung jener Menschen, die selbst wahrhaftig sind. Durch diese Verkörperung wird es erfahrbar und erhält Wirklichkeit. So tritt das Mögliche in die Realität, und das Gute wird wahrhaft gut..

Das Tor zum Tantra

Dr. Mark Dyczkowski war ein leuchtendes Beispiel solcher Verkörperung und einer der bedeutendsten Gelehrten des Shiva-Tantra am Beginn des 21. Jahrhunderts. Ich hatte die Ehre, von ihm zu lernen und ihn persönlich in Varanasi kennenzulernen. Markiji war einer jener seltenen Menschen, die ihr gesamtes Leben kompromisslos in den Dienst einer höheren Wirklichkeit stellten. Er widmete seinen gesamten Lebensatem, wie wir Yogis sagen, der Erforschung der Göttin.

Die wichtigste tantrische Schule nach Abhinavagupta ist das Trika-Tantra. Markiji Dyczkowski baute eine einzigartige Brücke zwischen Ost und West, indem er diese außergewöhnliche Tradition nicht nur erklärte, sondern erstmals wirklich verständlich in den Westen brachte. Er war Schüler von Swami Lakshmanjoo und, ebenso wie Bettina Bäumer, in diese Linie eingeweiht.

Markiji übersetzte und kommentierte Abhinavaguptas „Tantraloka“, ein magnum opus, das die Essenz des Tantra tiefgründig erforscht. Im Tantraloka wird Trika – die Tradition der Göttin Parā – als zentrales Element gesehen, in dem alle spirituellen Strömungen zusammenfließen. Darüber hinaus widmete er über 20 Jahre seines Lebens intensiv der Göttin Kubjikā und übersetzte als Erster das Manthānabhairava-Tantra ins Englische. Diese Übersetzung ist eine wortgewordene Vision der Göttin, aus der eine Praxis hervorgeht, die noch über viele Generationen hinweg Früchte tragen wird. Ich bin zutiefst dankbar, dass ich durch ihn Zugang zu dieser Tradition erhalten durfte.

Markiji ist für unsere Schule von besonderer Bedeutung, da er einer der wenigen Gelehrten war, die tantrische Meditation, wie wir sie lehren, wirklich verstanden und vermitteln konnten. Unsere Kurse über das Vijñāna Bhairava Tantra bauen wesentlich auf seinen Erkenntnissen und Einsichten auf.

Markiji eröffnete uns die Seele der Parā und initiierte uns in ein tiefes Verständnis des Trika-Tantra.

Dyczkowski sitar hand drawing

Überblick über seine Biografie

Geboren 1951 in London, war Mark Dyczkowski schon früh fasziniert von den spirituellen Wegen Indiens. Er studierte in Oxford und an der Banaras Hindu University (BHU) in Varanasi, wo er tief in die Welt des Kashmirischen Shivaismus eintauchte. Sein Leben war eine einzige große Pilgerreise – sowohl äußerlich durch die heiligen Stätten Indiens als auch innerlich durch die subtilen Welten der göttlichen Offenbarung. Er gab im wahrsten Sinne sein Leben dem Göttlichen hin.

Seine Liebe zur indischen Musik – insbesondere zur Sitar – verband sich auf einzigartige Weise mit seiner spirituellen Suche. Ich habe ihn selbst oft Sitar spielen erlebt, vor seinen Vorlesungen, in gewisser Weise war die Musik, das Intuitive, eine Begleitung zur Reise in die Spiritualität.

Bis zu seinem Tod im Februar dieses Jahres lebte er überwiegend in Varanasi, wo er forschte, lehrte und die alten Überlieferungen des Tantra lebendig hielt.

Seine Werke

Markiji übersetzte und kommentierte Abhinavaguptas Tantrāloka, ein magnum opus, das die Essenz des Tantra tiefgründig erforscht. Im Tantrāloka wird Trika – die Tradition der Göttin Parā – als zentrales Element gesehen, in dem alle spirituellen Strömungen zusammenfließen. Seine Arbeit daran war nicht nur akademisch, sondern getragen von lebendiger Erfahrung und innerer Schau.

Darüber hinaus widmete er über 20 Jahre seines Lebens der Erforschung der Kubjikā-Tradition, einer geheimnisvollen Linie der göttlichen Mutter. Seine Übersetzung und Kommentierung des Manthānabhairava Tantra brachte diese fast vergessene Strömung erstmals ans Licht des modernen Bewusstseins. Mit dem Werk The Doctrine of Vibration schuf er zudem einen Klassiker, der den Kern des tantrischen Verständnisses von Schöpfung und Bewusstsein zugänglich macht.

Die Bedeutung seiner Bücher

Markijis Bücher sind weit mehr als wissenschaftliche Abhandlungen – sie sind Tore. Tore zu einer Welt, die durch reine Intuition, präzises Wissen und gelebte Erfahrung offenbart wird. Für viele von uns waren sie der erste Schlüssel zu einem Verständnis des Tantra, das nicht in äußeren Ritualen endet, sondern direkt in die innere Erkenntnis des Selbst führt.

Seine Werke bleiben auch heute von unschätzbarem Wert: Sie verbinden akademische Genauigkeit mit spiritueller Tiefe und öffnen einen Weg, auf dem das alte Wissen lebendig wird. Ohne seine unermüdliche Arbeit wären weite Teile der tantrischen Überlieferungen weiterhin verborgen geblieben.

Danke Markiji

Danke, Markiji, dass du unser Freund, unser Wegbegleiter und das Licht am Ende des Tunnels des Lebens warst.

Markiji, unser lieber Freund, talentierter Sitarspieler und intuitiver Wanderer der tantrischen Philosophie, verließ diese Welt im Februar dieses Jahres in Varanasi. Kurz vor seinem Tod vollendete er noch seine (nicht offiziellen) Vorlesungen über die Göttin Kubjikā, lehrte weiterhin über das Tantraloka und schuf eine Gemeinschaft, die sein Erbe liebevoll bewahrt und weiterträgt.

Danke, Markiji, dass du uns das Tor zum Tantra geöffnet hast! Das Göttliche selbst mag ewig sein, doch es lebt und entfaltet sich erst durch die Verkörperung im Menschen. Tatsächlich ist nichts in dieser Welt ewig – denn real ist nur, was erlebt werden kann. Das wahrhaft Ewige im Göttlichen braucht den Menschen, oder besser gesagt: Der Mensch benötigt sich selbst, um das Göttliche in der Welt erfahrbar zu machen.

Wir verdanken Markiji die Wiederentdeckung der wundervollen Göttin. Er zeigte uns ein vergessenes Ritual, und wenn wir dessen Tor öffnen, spüren wir den Windhauch ihres Tanzes tief in unserer Seele.

Danke, Markiji, für alles, was du uns geschenkt hast!

Anuttara Trika Kula

Wenn du dich für seine Werke interessierst, und in das Tantra eintauchen willst, komm zu uns oder wirf auch einen Blick darauf:

The Doctrine of Vibration: An Analysis of the Doctrines and Practices of Kashmir Shaivism
Ein Grundlagenwerk für das Verständnis der Schöpfungslehre des Kashmirischen Shivaismus – die lebendige Kraft der Schwingung (Spanda) als Herz allen Seins.

The Stanzas on Vibration (Spanda Kārikā): The Sacred Teaching on Tattvas and the Divine Creative Process
Übersetzung und Kommentar eines zentralen Textes der Spanda-Tradition – ein praktisches Handbuch für das Erleben des Göttlichen im Alltag.

The Aphorisms of Siva (Śiva Sūtra): The Yoga of Supreme Identity
Eine inspirierende Übersetzung der Śiva-Sūtras, die den Weg zur höchsten Erkenntnis skizzieren: die Wiederentdeckung der eigenen göttlichen Natur.

Tantrāloka: The Light on the Tantras by Abhinavagupta (Teilübersetzungen, Mitarbeit)
Das große Lehrbuch des Tantra – ein Ozean des Wissens über Rituale, Meditation, Philosophie und die göttliche Wirklichkeit.

The Cult of the Goddess Kubjikā: A Study and Translation of the Kubjikāmatatantra
Markijis Pionierarbeit zur Erforschung der geheimen Kubjikā-Tradition – die Wiederbelebung eines fast verlorenen Stromes weiblicher Urkraft.

The Manthanabhairava Tantra and the Cult of the Yoginīs
Eine tiefgreifende Übersetzung und Analyse eines der wichtigsten Tantras der Kubjikā-Linie. Hier spricht das Herz der Göttin durch die Jahrhunderte hindurch zu uns.