Yoga in all seinen Formen ist eine Antwort und zugleich ein Versuch, die grundlegenden Fragen der Menschheit zu ergründen. Der Westen suchte diese Antworten in der Wissenschaft, der Osten in der Spiritualität.

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Pātañjalayogasūtra (1:2)

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Warum bin ich hier?

Warum bin ich hier? Was ist die Natur der Realität? Welche Bedeutung hat mein Sein? Warum bin ich dieses Ich?

Der Westen betrachtete die Materie und maß sie, der Osten betrachtete Erfahrung und ergründete sie. Yoga ist eine Wissenschaft des Phänomens des Seins. Im Yoga ist die messbare Realität der Erfahrung untergeordnet. Tief im Innersten der Matrix des Seins ist das auch richtig so, denn nichts ist von Bedeutung, wenn es nicht durch den Erfahrenden hindurch eine bestimmte Perspektive annehmen kann. Die Erfahrung ist daher die Mutter des Seins.

Yoga ist die Erforschung der eigenen begrenzten Existenz und der kosmischen Existenz, die darin verborgen liegt. Yoga erforscht nicht das Diesseits, sondern die Bedeutung des Seins über die Grenzen des Alltäglichen hinaus – die Position des Individuums in der kosmischen Ordnung.

Drei Definitionen, ein Ziel

Yājñavalkya definiert Yoga als die Einheit des individuellen Selbst mit dem Kosmischen. Patañjali definiert Yoga als die finale, allumfassende Stille der Fluktuationen des Bewusstseins. Abhinavagupta definiert Yoga als die völlige Entfaltung deiner eigentlichen, ewigen Natur.

Alle diese Perspektiven sind richtig und verschiedene Aspekte des einen Großen, und unterscheiden sich in der Form der Praxis, aber nicht im letztendlichen Ziel. Yājñavalkya schenkt uns das Geheimnis der Kuṇḍalinī, um das innere Selbst zu erheben. Patañjali schenkt uns den Weg zur Reinigung des Geistes, Fokus und Stille. Und Abhinavagupta sieht das eine unzerteilte Herz in allen Dingen, das das Herz aller ist.

In all seinen Definitionen ist Yoga eine Erforschung des eigenen ewigen Wesens, aber nicht nur des reinen Wissens wegen, sondern um dieses Wissen zu verkörpern, und in dieser Verkörperung ein lebendiger Teil der grenzenlosen Erfahrung des Lebens zu werden.

Yoga ist ein unschätzbares Geschenk für die Menschheit.

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Yoga ist definiert als die Vereinigung der vielen Gegensatzpaare, wie die Vereinigung von Ein- und Ausatmung, der Eizelle und des Spermas, die Vereinigung des Prinzips der Sonne und des Mondes oder der individuellen Seele mit der kosmischen Seele.
Yoga-Bīja, 88–90ab

Dieser Beitrag ist der Auftakt unserer Serie zur Geschichte des Yoga. Im nächsten Beitrag wandern wir weiter zu den Wurzeln des Yoga.

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